Geologie

         

                                                                                                                      

Die Grasslhöhle liegt in 720 m Seehöhe im Südhang des „Lärchsattel“, einer sattelartigen Vertiefung in den „Sattelbergen“, die im Norden von Weiz zwischen Weizklamm und Raabklamm als ausgeprägter Gebirgszug verlaufen. Dieser bildet die natürliche Begrenzung gegen den Passailer Kessel und wird vorwiegend aus Schöckelkalk gebildet. Dieses Gestein, welches dem Paläozoikum (Devon) entstammt und damit mindestens 350 Millionen Jahre alt ist, ist wegen seiner Reinheit (rund 55 % CaO und 44 % CO2) sehr verkarstungsfähig, wie zahlreiche Höhlen sowie Dolinen und andere Karsterscheinungen in der Raab- und Weizklamm zeigen.

          In einem ehemaligen Meer gebildet, weist der Schöckelkalk ausgeprägte Bankung auf, mit dem dazugehörigen Trennflächengefüge (Schicht- und Kluftfugen). Durch Auffaltung wurden die ehemals waagrecht liegenden Kalkbänke hochgehoben und durch große Drücke einer Metamorphose unterzogen, bei der auch die letzten Fossilien aus dem Gestein verschwanden und der Kalk zu einem „kristallinen Kalk“, fast schon zum Marmor, wurde.  

            Durch die Hochhebung und die Bildung eines Gebirgszuges gelangte der Schöckelkalk in die Zone, in dem sich im ehemaligen Grundwasserbereich (heute Hochstradner-Niveau um 700 m Seehöhe) teilweise große Höhlen bilden konnten (Im Gebiet zwischen Weizklamm und Raabklamm sind heute ca. 190 Höhlen bekannt, siehe auch FUCHS (1983) und POLT (1995)). Die teilweise unterirdische Entwässerung des Passailer Kessels durch die Sattelberge  Richtung Süden wird vermutet. Während dieses langwierigen Prozesses schnitten sich die beiden Flüsse Raab und Weizbach immer tiefer ein und senkten damit auch der Grundwasserspiegel.  

Riesige Höhlenräume fielen trocken und konnten aufgrund des fehlenden Gegendruckes nicht stabil bleiben. Dadurch kam es zu einem Einsturz der Höhlen, bei dem jedoch wieder neue Höhlenräume entstanden (FLÜGEL, MAURIN (1959). Eindrucksvoll ist dieses Ergebnis im Dom der Grasslhöhle zu beobachten. Hier ist entlang einer Schichtfuge, die in diesem Bereich gegen SE einfällt, ein rund 20 m durchmessender Raum entstanden.

            Nach der Entstehung der heute begehbaren Höhlenräume konnte sich dank des Grünkarstes eine fantastische, bizarre Tropfsteinwelt entwickeln, wobei auch hier mehrere Phasen von Entstehung und Zerstörung zu beobachten sind. Durch das enorme Wachstum von Tropfsteinen und von Versturzvorgängen sind in der Folge die größeren Hallen in einzelne, kleinere Räume unterteilt worden. Die Tropfsteine erreichen ein Mindestalter von 450.000 Jahren (siehe Boch & Spötl 2006).

 

Literatur:

BOCH, Ronny & SPÖTL, Christoph (2006): Altersbestimmungen an zwei großen Stalagmiten der Grasslhöhle (2833/60). Die Höhle 57 (1-4), 63-65, Wien.

EBNER, Fritz (1984): Die Geologie des Weiztales, ein Abbild von 500 Millionen Jahren Erdgeschichte. In: EBNER, Fritz (1984): Naturführer Weiztal.-Veröffentlichungen der Forschungsstätte Raabklamm X, 5-12, Weiz.

FLÜGEL, Helmut & MAURIN, Viktor (1958): Geologische Karte des Weizer Berglandes.- Geologische Bundesanstalt, Wien (Beilage zu FLÜGEL & MAURIN 1959).

FLÜGEL, Helmut & MAURIN, Viktor (1959): Geologische Wanderungen im Weizer Bergland.- Weiz-Geschichte und Landschaft in Einzeldarstellungen, 6, Weiz.

FLÜGEL, Helmut (1975): Die Geologie des Grazer Berglandes.- Mitt. d. Abt. für Geologie, Paläontologie u. Bergbau am Landesmuseum Joanneum, Sh. 1, 2. Auflage, Graz.

FLÜGEL, Helmut (2000): Das Paläozoikum von Graz (Stmk., Österr.): Kenntnisstand 2000. Sitzungsberichte Abt. I (1999) 206: 3-10.

FUCHS, Gerald (1983): Der Karst am Ostufer der Weizklamm.- Berichte d. wasserwirtschaftl. Rahmenplanung, 65, 1-50, Graz (Fortdruck in: Mitt. Landesver. f. Höhlenkunde i. d. Stmk. 12 (1), 1-50, Graz).

Polt, Harald (1995): Die Höhlen am Westufer der Weizklamm.- Mitt. Landesver. f. Höhlenkunde i. d. Stmk., 24 (1-4), 6-167, Graz.

TRIMMEL, Hubert (2002): Altersbestimmungen an Kalksintern aus Höhlen der Steiermark – Bisher kaum bekannte Ergebnisse von Radiokarbondaten. Die Höhle 53 (2), 37-50, Wien.